Patient mit Lymphdrüsenkrebs findet rasche Hilfe am UKB

CAR-T-Zelltherapie erstmals in Deutschland im Rahmen einer Studie in der ersten Behandlungslinie erfolgreich durchgeführt

 

Bonn, 21. September – Unerwartet sah sich Reinhard P. mit der Diagnose fortgeschrittenes diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom (DLBCL) konfrontiert: „Mein erster Gedanke war: ‘Du bist tot’.“ Rasche Hilfe fand der jetzt 75-Jährige an der Medizinischen Klinik III des Universitätsklinikums Bonn (UKB). Dort boten die forschenden Ärzt*innen ihm die Teilnahme an der internationalen ZUMA23-Studie an, in der Betroffene mit einem besonders hohen Rückfallrisiko eine CAR-T-Zelltherapie gegen das Lymphom erhalten konnten. Die innovative Immuntherapie ist bisher nur Personen mit einem Rezidiv des Krebses vorbehalten. Reinhard P. ist der erste Patient in Deutschland, der in der ersten Behandlungslinie beim DLBCL mit einer CAR-T-Zelltherapie behandelt wurde und das mit Erfolg. 

 

Vor mehr als einem Jahr hatte Reinhard P. plötzlich akute Schmerzen im Bauch. Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung „DLBCL“ war die bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems bereits weit fortgeschritten und hatte den Bauchraum sowie die Darmschlingen befallen. Nach zwei Operationen zum Erhalt der Darmfunktion wurde er für die onkologische Therapie am UKB aufgenommen. Dort war zu diesem Zeitpunkt die Teilnahme an der ersten Phase-3-Studie zur Bewertung der Chimeric antigen receptor (CAR)-T-Zelltherapie als Erstlinientherapie bei Diffus großzelligen B-Zell-Lymphomen mit hohem Risiko, der sogenannten ZUMA23-Studie, möglich. „Unsere Klinik ist zertifiziert für alle bereits zugelassenen CAR-T-Zelltherapien. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit der Teilnahme an innovativen immunonkologischen und zelltherapeutischen Behandlungs-Studien“, sagt Prof. Peter Brossart, Direktor der Medizinischen Klinik III am UKB.

 

Körpereigene Immunabwehr gezielt eingesetzt

Bei dieser Behandlung werden körpereigene Abwehrzellen, hier die sogenannten T-Zellen, im Labor genetisch so verändert, sodass sie bösartige Lymphom-Zellen gezielt erkennen und zerstören. Die so veränderten CAR-T-Zellen werden den Patient*innen zurückinfundiert. Dort lösen sie eine wirksame und langanhaltenden Immunreaktion gegen den Krebs aus. „Diese Form der Therapie war bislang den Betroffenen vorbehalten, bei denen der Lymphdrüsenkrebs nach einer Chemotherapie früh wieder zurückgekehrt war“, sagt Dr. Martin Schumacher, Oberarzt der Ambulanz für Stammzelltransplantation und Zelltherapie an der Medizinischen Klinik III am UKB. „Da bei unserem Patienten aber eine aggressive Lymphom-Erkrankung vorlag, die mit einem hohen Risiko für einen frühen Rückfall der Erkrankung assoziiert gewesen wäre, konnten wir ihm eine Teilnahme an der Studie ermöglichen.“

 

Erfolgreiche Therapie mit wenig Nebenwirkungen

Anstatt einer konventionellen Chemotherapie über sechs Monate erhielt Reinhard P. also eine einmalige Therapie mit seinen eigenen modifizierten Immunzellen. Hierfür wurde er zweieinhalb Wochen stationär auf der spezialisierten Zelltherapie-Station der Medizinischen Klinik III des UKB aufgenommen. „Die Behandlung mit den eigenen Immunzellen bietet den Vorteil, dass unser Patient weniger Chemotherapie erhalten muss und das Immunsystem effektiv gegen die Erkrankung vorgeht. Sogar zu erwartende grippeähnliche Symptome, das sogenannte Zytokin-Freisetzungssyndrom, traten nicht auf“, sagt Dr. Sebastian Schlaweck, Oberarzt der Station für Stammzelltransplantation und Zelltherapie an der Medizinischen Klinik III des UKB. „Die regelmäßigen Nachkontrollen zeigen bei ihm bislang keinen Hinweis auf eine verbliebene Krankheitsaktivität.“

„Meine Botschaft ist, positiv und offen für alles zu sein. Ich bin froh, dass ich dieses Angebot ergriffen habe“, sagt Reinhard P. Der ehemalige Rettungssanitäter ist in ein selbstständiges Leben in seinem Heimatort zurückgekehrt. Bei einem Nachbeobachtungszeitraum von nunmehr einem Jahr sind die Chancen auf eine dauerhafte Heilung seiner Lymphom-Erkrankung sehr gut: „Ich bin jetzt fast so fit wie vorher“, sagt der zweifache Vater und Opa. „Für mich bedeutet es sehr viel, dass ich nach einer langen Pause meiner ehrenamtlichen Tätigkeit, jetzt wieder voll bei den Maltesern in der Demenzbetreuung mitarbeiten kann.“ 

Bildnachweis: Universitätsklinikum Bonn (UKB) / Nicolas Kischnick 

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