Doppelte Hightech-Kompetenz für eine frühere Diagnose von Lungenkrebs

Das regionale Lungenkrebszentrum Bonn/Rhein-Sieg verfügt am Universitätsklinikum Bonn und am Helios Klinikum Bonn/Rhein-Sieg über zwei hochmoderne roboterassistierte ION-Bronchoskopiesysteme. Auffällige Befunde aus dem neuen Lungenkrebsscreening können damit im regionalen Netzwerk schnell, präzise und schonend untersucht werden.

 Bonn, 24. August 2026 – Mit der Einführung des bundesweiten Lungenkrebsscreenings haben Menschen mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko für Lungenkrebs erstmals Anspruch auf eine strukturierte Früherkennungsuntersuchung mittels Niedrigdosis-Computertomographie. Das Lungenkrebszentrum Bonn/Rhein-Sieg verbindet dieses neue Angebot mit einer besonders leistungsfähigen diagnostischen Infrastruktur: Sowohl am Universitätsklinikum Bonn (UKB) als auch am Helios Klinikum Bonn/Rhein-Sieg steht das roboterassistierte Bronchoskopiesystem ION zur Verfügung.
Das Lungenkrebszentrum Bonn/Rhein-Sieg ist damit deutschlandweit das einzige Lungenkrebszentrum, das seinen Patientinnen und Patienten diese innovative Form der Diagnose an zwei Standorten anbieten kann. Vor allem auffällige Veränderungen, die tief in der Lunge liegen und mit herkömmlichen Verfahren nur schwer oder nicht erreichbar sind, können gezielt untersucht werden.
„Mit dem Lungenkrebsscreening können wir verdächtige Veränderungen früh entdecken. Entscheidend ist jedoch, dass auf die Entdeckung eines auffälligen Befundes auch eine schnelle, präzise und möglichst schonende Abklärung folgt. Durch die beiden ION-Systeme und die enge Zusammenarbeit in unserem Lungenkrebszentrum schaffen wir genau diese Verbindung zwischen Früherkennung, moderner Diagnostik und individuell abgestimmter Therapie“, sagt Univ.-Prof. Dr. med. Joachim Schmidt, Leiter des Lungenkrebszentrums, Direktor der Klinik für Thoraxchirurgie am Universitätsklinikum Bonn und Chefarzt der Thoraxchirurgie am Helios Klinikum Bonn/Rhein-Sieg.

Präzise Navigation zu kleinen Veränderungen


Bei der ION-Bronchoskopie wird auf Grundlage der CT-Aufnahmen mittels einer KI ein dreidimensionales Modell der Atemwege generiert. Das System berechnet einen optimalen Weg zu der auffälligen Stelle in der Lunge. Über einen sehr dünnen und besonders beweglichen Katheter können die behandelnden Ärztinnen und Ärzte anschließend tief in das verzweigte Bronchialsystem navigieren, ähnlich wie bei einem Navigationssystem im Auto.
Auf diese Weise lassen sich auch kleine oder am Rand der Lunge gelegene Rundherde gezielt erreichen und Gewebeproben entnehmen. Die Untersuchung erfolgt über die natürlichen Atemwege; ein chirurgischer Schnitt ist dafür zunächst nicht erforderlich. Das Verfahren kann somit dazu beitragen, verdächtige Befunde möglichst präzise und schonend abzuklären.
Die Technologie ersetzt dabei nicht die ärztliche Beurteilung. Sie unterstützt die behandelnden Spezialistinnen und Spezialisten bei der Navigation und bei der gezielten Entnahme von Gewebe. Ob eine ION-Bronchoskopie im jeweiligen Einzelfall sinnvoll ist, wird auf Grundlage der Bildgebung und der individuellen gesundheitlichen Situation entschieden.

Vom Screening bis zur Behandlung: ein abgestimmter Prozess


Seit April 2026 können gesetzlich versicherte aktive und ehemalige starke Raucherinnen und Raucher im Alter von 50 bis 75 Jahren unter bestimmten Voraussetzungen einmal jährlich an einer Lungenkrebsfrüherkennung teilnehmen. Voraussetzung sind unter anderem mindestens 25 Jahre Zigarettenkonsum und mindestens 15 sogenannte Packungsjahre. Bei ehemaligen Raucherinnen und Rauchern darf der Rauchstopp beziehungsweise eine Rauchpause grundsätzlich nicht länger als zehn Jahre zurückliegen. Die verbindlichen Kriterien legt der Gemeinsame Bundesausschuss fest.


Der regionale Ablauf ist klar strukturiert:
1. Ärztliche Beratung und Prüfung der Voraussetzungen:

Eine teilnehmende hausärztliche, internistische oder arbeitsmedizinische Praxis klärt, ob die Voraussetzungen erfüllt sind, und informiert über Nutzen und mögliche Nachteile des Screenings.


2. Überweisung zur Niedrigdosis-CT:

Anschließend erfolgt die Überweisung an eine qualifizierte radiologische Praxis. Die Computertomografie dauert nur wenige Minuten, ist schmerzfrei und kommt mit einer deutlich reduzierten Strahlendosis aus.


3. Erstbefundung in einer radiologischen Praxis:

In der Region stehen über die Lungenkrebsscreening Bonn/Rhein-Sieg GbR vier radiologische Praxispartner für die Untersuchung und Erstbefundung zur Verfügung: das Praxisnetz Bonn-Rhein-Sieg, die Radiologie und Nuklearmedizin in der Kaiserpassage, die Radiologie am Rhein sowie die Radiologie und Nuklearmedizin Siegburg.


4. Unabhängige Zweitbefundung bei Auffälligkeiten:

Wird eine kontroll- oder abklärungsbedürftige Veränderung festgestellt, erfolgt eine qualitätsgesicherte Zweitbefundung. Diese Kompetenz wird im Netzwerk aktell durch Kliniken für Radiologie des Helios Klinikum Bonn/Rhein-Sieg Bonn und des Universitätsklinikum Bonn gewährleistet.


5. Gemeinsame Beratung im spezialisierten Board:

Abklärungsbedürftige Befunde werden in das interdisziplinäre Lung-Nodule-Board beziehungsweise – bei bestätigtem oder hochgradigem Tumorverdacht – in das Tumorboard des Lungenkrebszentrums eingebracht. Dort beraten mehr als 30 Fachleute aus unter anderem Radiologie, Pneumologie, Thoraxchirurgie, Onkologie, Strahlentherapie, Nuklearmedizin und Pathologie gemeinsam über das weitere Vorgehen.


Nicht jede im CT sichtbare Veränderung ist Lungenkrebs. Viele Lungenrundherde sind gutartig oder müssen zunächst lediglich kontrolliert werden. Gerade deshalb sind die unabhängige Zweitbefundung und die gemeinsame Bewertung durch mehrere Fachrichtungen wichtige Bestandteile des Programms.

Früherkennung und Spitzenmedizin aus einer Hand


Ergibt die gemeinsame Beurteilung, dass eine Gewebeprobe erforderlich ist, kann diese je nach Lage und Größe der Veränderung mit einem der beiden ION-Systeme am Helios Klinikum Bonn/Rhein-Sieg oder am UKB entnommen werden. Bestätigt sich die Diagnose Lungenkrebs, wird im Tumorboard ein individueller Behandlungsplan festgelegt.
Abhängig von Tumorstadium, Lage des Tumors und Gesundheitszustand kommen unter anderem Operation, Strahlentherapie, medikamentöse Behandlung oder eine Kombination verschiedener Verfahren infrage. Für geeignete Patientinnen und Patienten stehen in beiden thoraxchirurgischen Standorten des Zentrums zudem moderne minimalinvasive und roboterassistierte Operationsverfahren zur Verfügung welche ebenfalls sowohl am Helios Klinikum Bonn/Rhein-Sieg als auch am Universitätsklinikum angeboten werden.
Das Lungenkrebszentrum Bonn/Rhein-Sieg verbindet damit die ambulante Früherkennung in der Region mit der spezialisierten Diagnostik und Therapie seiner klinischen Partner. Patientinnen und Patienten profitieren von einem durchgängigen Versorgungspfad: von der ersten Beratung über die CT-Untersuchung und die Abklärung eines auffälligen Befundes bis hin zur individuell abgestimmten Behandlung.
„Unser Anspruch ist, dass Patientinnen und Patienten nach einem auffälligen Screeningbefund nicht allein bleiben. Sie sollen schnell Klarheit erhalten und bei einer notwendigen Behandlung unmittelbar Zugang zu einem erfahrenen interdisziplinären Netzwerk bekommen“, betont Prof. Schmidt. „Die beiden ION-Systeme sind dafür ein wichtiger Baustein. Ebenso entscheidend ist aber die enge Zusammenarbeit aller ambulanten und stationären Partner.“
Das kooperative, von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierte Lungenkrebszentrum Bonn/Rhein-Sieg gehört seit vielen Jahren zu den großen regionalen Versorgungsnetzwerken für Menschen mit Lungenkrebs. In ihm arbeiten das Johanniter-Krankenhaus Bonn, das Helios Kliniken Bonn/Rhein-Sieg, das Universitätsklinikum Bonn und das Helios Klinikum Siegburg sowie zahlreiche niedergelassene Praxen und Partner für die ambulante supportive Versorgung eng zusammen und bilden so eines der größten Lungenkrebszentren in Deustchland.

 

 


Das Centrum für Integrierte Onkologie – CIO Bonn ist das interdisziplinäre Krebszentrum des Universitätsklinikums Bonn. Unter seinem Dach arbeiten alle Kliniken und Institute am Universitätsklinikum zusammen, die sich mit der Diagnose, Behandlung und Erforschung aller onkologischen Erkrankungen befassen. Das CIO Bonn gehört zum bundesweiten Netzwerk ausgewählter Onkologischer Spitzenzentren der Deutschen Krebshilfe. 2018 wurde aus dem seit 2007 bestehenden CIO Köln Bonn mit den universitären Krebszentren aus Aachen, Köln und Düsseldorf das "Centrum für Integrierte Onkologie - CIO Aachen Bonn Köln Düsseldorf" gegründet. Gemeinsam gestaltet dieser Verbund die Krebsmedizin für rund 11 Millionen Menschen.

Zum Universitätsklinikum Bonn: Im UKB werden pro Jahr über 480.000 Patient*innen betreut, es sind 8.800 Mitarbeiter*innen beschäftigt und die Bilanzsumme beträgt 1,5 Mrd. Euro. Neben den über 3.300 Medizin- und Zahnmedizin-Studierenden werden pro Jahr weitere 580 Frauen und Männer in zahlreichen Gesundheitsberufen ausgebildet. Das UKB steht im Wissenschafts-Ranking auf Platz 1 unter den Universitätsklinika (UK) in NRW, weist den vierthöchsten Case Mix Index (Fallschweregrad) in Deutschland auf und hatte 2020 als einziges der 35 deutschen Universitätsklinika einen Leistungszuwachs und die einzige positive Jahresbilanz aller Universitätsklinika in NRW.