Prof. Dr. Jonathan Schmid-Burgk (l.) und Prof. Dr. Maximilian Billmann (r.) vom Universitätsklinikum Bonn gehören zu den Gründungsmitgliedern der paneuropäischen Initiative PRECISE. Gemeinsam mit Forschenden aus ganz Europa wollen sie dazu beitragen, therapeutisch nutzbare Schwachstellen von Krebszellen künftig besser vorherzusagen.

 

Krebszellen berechenbarer machen: PRECISE will therapeutisch nutzbare Schwachstellen vorhersagen

Universitätsklinikum Bonn und Universität Bonn gehören zu den Gründungspartnern des europaweiten Konsortiums

Bonn, 14. Juli 2026 – Welche Gene und Signalwege benötigt eine Krebszelle, um zu überleben? Und welche davon könnten als therapeutische Angriffspunkte dienen? Die paneuropäische Initiative PRECISE (Predictive Relationships Explaining Cancer Genetic Interactions and Synthetic Essentiality) will solche Schwachstellen nicht mehr nur in aufwendigen Laborexperimenten identifizieren, sondern mithilfe von Computermodellen auch vorhersagen. Das Universitätsklinikum Bonn (UKB) und die Universität Bonn gehören mit Prof. Dr. Maximilian Billmann und Prof. Dr. Jonathan Schmid-Burgk zu den Gründungspartnern des Konsortiums. Die wissenschaftliche Vision der Initiative wurde jetzt in einem Kommentar in Nature Genetics veröffentlicht.

Groß angelegte genetische Screenings haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Abhängigkeiten von Krebszellen sichtbar gemacht. Die daraus entstandenen Abhängigkeitskarten zeigen beispielsweise, auf welche Gene oder molekularen Signalwege bestimmte Tumorzellen angewiesen sind. Diese Karten sind bislang jedoch überwiegend beschreibend: Sie geben nur begrenzt Aufschluss darüber, warum eine Schwachstelle entsteht, in welchen biologischen Zusammenhängen sie auftritt und wie sie sich unter dem Druck einer Therapie verändert. Zudem lassen sich die Ergebnisse bislang nur eingeschränkt auf noch nicht untersuchte Tumoren und biologische Situationen übertragen.

Ein wichtiger Bestandteil von PRECISE ist die Untersuchung genetischer Wechselwirkungen. Von synthetischer Letalität spricht man beispielsweise, wenn zwei genetische Veränderungen oder Eingriffe von einer Zelle jeweils einzeln toleriert werden, gemeinsam aber zum Zelltod führen. Solche Wechselwirkungen können Ansatzpunkte für zielgerichtete Therapien eröffnen. PRECISE betrachtet darüber hinaus nicht nur das Überleben einer Zelle, sondern untersucht mithilfe unterschiedlicher molekularer und bildgebender Verfahren auch Veränderungen von Zellzuständen, zellulären Programmen und Anpassungsreaktionen.

Das PRECISE-Konsortium vereint mehr als 30 experimentell und computergestützt arbeitende Forschungsgruppen aus über 20 Forschungsinstituten und Universitäten in neun europäischen Ländern. Die Partner kombinieren Daten aus Patientenkohorten und krankheitsrelevanten Modellsystemen wie Zelllinien und Organoiden mit gezielten genetischen Eingriffen, unter anderem mithilfe von CRISPR, multimodaler molekularer Profilierung, Bildgebung, maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz. Ziel ist es, aus diesen Daten allgemeine Regeln abzuleiten, mit denen sich Schwachstellen von Krebszellen auch in bislang nicht experimentell untersuchten biologischen Situationen vorhersagen lassen.

Kennzeichnend für PRECISE ist ein fortlaufender Vorhersage-Test-Lernprozess: Computermodelle analysieren nicht nur vorhandene Daten, sondern priorisieren diejenigen genetischen Eingriffe und Experimente, von denen der größte Erkenntnisgewinn zu erwarten ist. Im Labor werden die entsprechenden Vorhersagen überprüft. Die dabei gewonnenen Daten fließen anschließend wieder in die Modelle ein und sollen deren Vorhersageleistung schrittweise verbessern. Dieser geschlossene Kreislauf soll eine effizientere Planung von Experimenten ermöglichen und die Entdeckung therapeutisch relevanter Schwachstellen beschleunigen.

Langfristig soll dieser Ansatz die Präzisionsonkologie insbesondere für Patientinnen und Patienten erweitern, deren Tumoren nach der derzeitigen molekularen Diagnostik noch keine klinisch nutzbaren Angriffspunkte erkennen lassen. Die Modelle sollen zudem dazu beitragen, mögliche Resistenzmechanismen besser vorherzusehen, Ansatzpunkte für rationale Kombinationstherapien zu identifizieren und zu beurteilen, in welchem biologischen Zusammenhang eine bestimmte Schwachstelle therapeutisch relevant sein könnte.

Prof. Dr. Maximilian Billmann vom Institut für Humangenetik des UKB ist Mitglied der Transdisziplinären Forschungsbereiche (TRA) „Modelling“ und „Life and Health“ der Universität Bonn. „Europa beheimatet viele der führenden Wissenschaftler auf unserem Feld. PRECISE schafft nun eine Struktur, in der wir die Herausforderungen in der Präzisionsonkologie zukünftig besser gemeinsam adressieren“, sagt Billmann. Als leitender Wissenschaftler hat Billmann kürzlich in der Fachzeitschrift Cell eine genomweite Karte genetischer Wechselwirkungen in einem menschlichen Zellmodell vorgestellt.

„In PRECISE versuchen wir nun, Prinzipien aus unseren und anderen ähnlichen Datensätzen, von denen viele ebenfalls von PRECISE-Mitgliedern aufgenommen wurden, zu lernen, um Vorhersagen für konkrete onkologische Probleme treffen zu können“, erklärt Billmann.

Ebenfalls Gründungsmitglied des Konsortiums ist Prof. Dr. Jonathan Schmid-Burgk vom Institut für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie des UKB. Er forscht im Exzellenzcluster ImmunoSensation³ und in der TRA „Life and Health“ der Universität Bonn und wurde mehrfach als Clarivate Highly Cited Researcher ausgezeichnet.
Sein Labor bringt mit NIS-Seq ein neues lichtmikroskopisches Screeningverfahren in das Konsortium ein, das in Nature Biotechnology veröffentlicht wurde. Das Verfahren ermöglicht es, mikroskopisch sichtbare Eigenschaften einzelner Zellen mit gezielten genetischen Veränderungen zu verknüpfen. Im PRECISE-Verbund soll es dazu beitragen, die Funktionen von Genen in Tumorzellen systematisch aufzuklären.

„Wir möchten zusammen mit anderen Laboren des PRECISE-Konsortiums komplexe Funktionen von proteinkodierenden Genen in Tumorzellen beobachten, also nicht nur von solchen Genen, die absolut lebenswichtig für die Zellen sind, sondern auch von solchen, die die Verhaltensweisen der Zellen programmieren. Daraus wollen wir gemeinsam mit den klinischen und tumorbiologischen Partnern im Konsortium ableiten, welche Zielstrukturen sich therapeutisch nutzen lassen, um Tumorzellen anzugreifen, in gesunden Zellen aber weniger von Bedeutung sind“, beschreibt Schmid-Burgk seine Rolle im europäischen Verbund.

Koordiniert wird PRECISE von Francesco Iorio vom Human Technopole in Mailand und Mathew J. Garnett vom Wellcome Sanger Institute in Großbritannien. Das Konsortium setzt auf gemeinsame experimentelle Standards, abgestimmte Analyseverfahren und die FAIR-Prinzipien. Daten und wissenschaftliche Werkzeuge sollen dadurch auffindbar, zugänglich, interoperabel und wiederverwendbar werden.

Weitere Informationen zum Konsortium und seinen Zielen finden Sie auf dem PRECISE-Webportal: https://precise-eu.org/

Publikation: Francesco Iorio et al.: PRECISE as a European initiative for cancer-vulnerability mapping and prediction; Nature Genetics; DOI: 10.1038/s41588-026-02658-z
https://www.nature.com/articles/s41588-026-02658-z

Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Dr. Jonathan Schmid-Burgk
Institut für klinische Chemie und klinische Pharmakologie
Universitätsklinikum Bonn
Exzellenzcluster ImmunoSensation3 und TRA „Life & Health“, Universität Bonn
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Jun.-Prof. Dr. Maximilian Billmann
Institut für Humangenetik
Universitätsklinikum Bonn
TRA „Modelling“ & „Life and Health“, Universität Bonn
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Bildnachweis: Universitätsklinikum Bonn / Andreas Stein

Pressekontakt:
Dr. Inka Väth
stellv. Pressesprecherin am Universitätsklinikum Bonn (UKB)
Stabsstelle Kommunikation und Medien am Universitätsklinikum Bonn
Telefon: (+49) 228 287-10596; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Das Centrum für Integrierte Onkologie – CIO Bonn ist das interdisziplinäre Krebszentrum des Universitätsklinikums Bonn. Unter seinem Dach arbeiten alle Kliniken und Institute am Universitätsklinikum zusammen, die sich mit der Diagnose, Behandlung und Erforschung aller onkologischen Erkrankungen befassen. Das CIO Bonn gehört zum bundesweiten Netzwerk ausgewählter Onkologischer Spitzenzentren der Deutschen Krebshilfe. 2018 wurde aus dem seit 2007 bestehenden CIO Köln Bonn mit den universitären Krebszentren aus Aachen, Köln und Düsseldorf das "Centrum für Integrierte Onkologie - CIO Aachen Bonn Köln Düsseldorf" gegründet. Gemeinsam gestaltet dieser Verbund die Krebsmedizin für rund 11 Millionen Menschen.

Zum Universitätsklinikum Bonn: Im UKB werden pro Jahr über 480.000 Patient*innen betreut, es sind 8.800 Mitarbeiter*innen beschäftigt und die Bilanzsumme beträgt 1,5 Mrd. Euro. Neben den über 3.300 Medizin- und Zahnmedizin-Studierenden werden pro Jahr weitere 580 Frauen und Männer in zahlreichen Gesundheitsberufen ausgebildet. Das UKB steht im Wissenschafts-Ranking auf Platz 1 unter den Universitätsklinika (UK) in NRW, weist den vierthöchsten Case Mix Index (Fallschweregrad) in Deutschland auf und hatte 2020 als einziges der 35 deutschen Universitätsklinika einen Leistungszuwachs und die einzige positive Jahresbilanz aller Universitätsklinika in NRW.

 

 

 

 

 

 

2020

14 Dez 2020 10:00

Psychosomatikerin Prof. Franziska Geiser zu Kontaktbeschränkungen an den diesjährigen Feiertagen

Weiterlesen...
11 Dez 2020 10:00

Gesprächsangebote für belastete Angehörige während der eingeschränkten Besuchszeiten

Weiterlesen...
10 Dez 2020 10:00

Frauenklinik setzt ab sofort das Da-Vinci-OP-System ein

Weiterlesen...
06 Dez 2020 10:00

Zum Weihnachtsfest spenden statt schenken

Weiterlesen...
18 Nov 2020 21:22

Prof. Michael Muders und Dr. Susanne Lütje erhalten Projektförderung der Rudolf-Becker-Stiftung

Weiterlesen...
10 Nov 2020 07:00

Spitzenmedizin für Patienten mit Leberkrebs

Weiterlesen...
02 Nov 2020 09:30

Universitätsklinikum Bonn bietet High-End-Medizin für Patientinnen an

Weiterlesen...
30 Okt 2020 09:30

Klinikclowns im Eltern-Kind-Zentrum am Universitätsklinikum Bonn (UKB)

Weiterlesen...
06 Okt 2020 09:00

Chirurgie am Universitätsklinikum Bonn ist als Exzellenz-Zentrum für minimal-invasive Chirurgie (CAMIC) zertifiziert

Weiterlesen...
02 Okt 2020 12:49

Das Projekt „Familien-Scout“ begleitet und unterstützt an Krebs erkrankte Eltern, ihre Partner und minderjährigen Kinder.

Weiterlesen...
02 Okt 2020 08:50

Brustkrebs bei Männern ist selten, pro Jahr erhalten nur etwa 700 Männer in Deutschland diese Diagnose.

Weiterlesen...
10 Sep 2020 12:00

Universitätsklinikum Bonn nimmt an Studie zu familiärer adenomatöser Polyposis teil

Weiterlesen...
12 Aug 2020 02:00

Künstlerin zeichnet für krebskranke Kinder am Universitätsklinikum Bonn (UKB)

Weiterlesen...
06 Aug 2020 02:00

Prof. Ulrike Attenberger, wurde in den Wissenschaftlichen Beirat berufen. 

Weiterlesen...
05 Aug 2020 03:00

Studie unter Federführung der Universität Bonn könnte helfen, moderne Therapieansätze zu verbessern.

Weiterlesen...
17 Jul 2020 02:00

Projekt der Universitäten Bonn und Melbourne bis 2025 verlängert

Weiterlesen...
10 Jul 2020 12:00

Größte nationale Tagung für Nuklearmedizin erstmals als Online-Kongress „NuklearMedizin 2020 – Digital“

Weiterlesen...
09 Jul 2020 12:00

Das Deutsche Innovationsbündnis Krebs & Gehirn ist ein einzigartiger Zusammenschluss aller Hirntumor-Interessensgruppen

Weiterlesen...
08 Jun 2020 10:56

Regionales und überregionales Netzwerk für optimale Versorgung von Krebspatienten im Aufbau

 

Weiterlesen...
31 Mai 2020 10:00

Raucher scheinen besonders anfällig für Coronavirus zu sein

Weiterlesen...
29 Mai 2020 03:00

Serviceeinrichtung der Uni Bonn und des UKB sammelt Proben wie Blut oder Gewebe für die Forschung

Weiterlesen...
20 Mai 2020 08:00

Universitätsklinikum Bonn und Malteser Krankenhaus arbeiten in Wissenschaft, Lehre und Patientenversorgung zusammen

Weiterlesen...
14 Mai 2020 09:00

Spezialist macht Hirntumore mit KI besser sichtbar

Weiterlesen...
24 Apr 2020 08:00

Warnung vor einer Bugwelle an zu spät diagnostizierten Krebsfällen

Weiterlesen...
17 Apr 2020 09:30

Univ.-Prof. Dr. Sebastian Strieth leitet jetzt die HNO-Klinik am Universitätsklinikum Bonn

Weiterlesen...
01 Apr 2020 09:00

Prof. Dr. Frank Giordano trat zum 01. April 2020 die Professur für Strahlentherapie und Radioonkologie an.

Weiterlesen...
25 Mär 2020 08:00

Studie der Universitäten Bonn und Ulm untersucht, wie sich ein zellulärer Mechanismus zweckentfremden lässt

Weiterlesen...
19 Feb 2020 10:00

Prof. Dr. Ulrike Attenberger leitet jetzt die diagnostische und interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Bonn

Weiterlesen...
14 Feb 2020 11:22

Prof. Dr. Jaroslaw Maciaczyk leitet jetzt die Stereotaxie und funktionelle Neurochirurgie am Universitätsklinikum Bonn.

Weiterlesen...
06 Feb 2020 12:06

Das Universitätsklinikum Bonn erweitert onkologisches Therapieangebot.

Weiterlesen...
09 Jan 2020 11:51

Universitätsklinikum Bonn eröffnet Eltern-Kind-Zentrum

Weiterlesen...
© 2026 CIO Bonn