Diagnose (ICD-10-GM): C71.6
Diagnose: Bösartige Neubildung: Zerebellum
Alter: ab 3 bis 20
Primäres Studienziel
Evaluation, ob sich das Überleben von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Hochrisiko-Medulloblastom durch eine der folgenden Therapien im Vergleich zur Standardtherapie (normofraktionierte Radiotherapie) verbessern lässt: 1) Hyperfraktionierte, akzelerierte Radiotherapie (HART) ; 2) Hochdosis-Chemotherapie mit Thiotepa gefolgt von normofraktionierter Radiotherapie Evaluation, ob das Überleben von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Hochrisiko-Medulloblastom sich nach Applikation zweier unterschiedlicher Erhaltungschemotherapien unterscheidet.
Sekundäre Studienziele
Die Untersuchung von Spätfolgen der Behandlung und deren Einfluss auf die Überlebensqualität (Quality of Survival, QoS) inkl. neurokognitive Funktion, neurologische Einschränkungen, endokrinologischen Einschränkungen, Hörstörungen und dem Auftreten von Zweittumoren. Die Einleitung prospektiver biologischer Studien zu Hochrisiko-Medulloblastomen mit den Zielen: 1) Verständnis der biologischen Basis von Hochrisiko-Medulloblastomen; 2) Identifikation und Validierung prognostischer biologischer Marker; 3) Identifikation und Validierung molekularer Zielstrukturen mit therapeutischem Potenzial sowie assoziierten prädiktiven Biomarkern. Die Durchführung prospektiver QoS Studien, Toxizitäts und Pharmakogenomik Studien mit dem Ziel die klinischen, patienten-spezifischen und tumor-spezifischen Faktoren sowie genetische Varianten und deren Zusammenhang mit frühen und späten Nebenwirkungen der Therapie und dem Überleben besser zu verstehen.
Einschlusskriterien
Einschlusskriterien für die Studie und Randomisierung 1 (R1): Referenz-histologisch bestätigte Diagnose eines Hochrisiko- Medulloblastoms eines jeden aktuell definierten Medulloblastom-Subtyps. Das Vorliegen eines Hochrisiko-Medulloblastoms ist definiert als Sonic-Hedgehog (SHH)- oder non-WNT(wingless-type)/non-SHH- Medulloblastom mit einem der folgenden Hochrisiko-Merkmalen: a. Metastasierte Erkrankung (M1, M2, M3 nach Chang); b. großzellig/anaplastische Histologie (analog zu der WHO-Definition von 2016);c. Vorliegen eines relevanten Resttumors >1,5c m2 nach erfolgter Tumorresektion in Kombination mit einem weiteren Hochrisiko-Faktor; d. Vorliegen einer MYC- oder MYCN-Amplifikation (ausgenommen MYCN-Amplifikation bei Gruppe 4 Medulloblastomen, wenn keine anderen Hochrisiko-Charakteristika vorliegen); e. SHH-Medulloblastom mit somatischer TP53-Mutation; Bestätigung der Diagnose durch eine zweite etablierte Methode. In Deutschland ist dies die Methylierungsanalyse. Es muss ein Konsens zwischen erster (Immunhistochemie) und zweiter (Methylierungsarray) Methode bestehen. Alter zum Zeitpunkt der Diagnose ab 3 Jahren und unter 21 Jahren. Der Diagnosezeitpunkt ist als Zeitpunkt der ersten Tumoroperation definiert. Einsendung von biologischen Materialien inkl. FFPE Tumormaterial, Frischmaterial und Blut (siehe Absatz 4). Ausschluss somatischer Mutationen in den Genen TP53, PTCH, SUFU (SHH-MB) und APC (β-Catenin-Mutations-negative WNT-MB) per Panelsequenzierung. Ausschluss einer Keimbahnmutation in den Genen TP53, SUFU, PTCH und APC bei Nachweis einer somatischen Mutation sowie BRCA2 und PALB2 bei spezifischem Verdacht. Keine vorangegangene Behandlung aufgrund eines Medulloblastoms außer der Operation. Ausnahme stellt die Applikation eines Induktionsblocks Carboplatin/Etoposid dar, wenn die klinische Notwendigkeit besteht, eine Therapie zu starten, bevor der Studieneinschluss möglich ist. Adäquate Leberfunktion, definiert als: Gesamtbilirubin bis1.5-fache des oberen Altersreferenzwertes (Ausnahme: bekanntes Gilbert-Meulengracht-Syndrom), ALT oder AST unter 2.5-facher oberer Altersreferenzwert Adäquate Nierenfunktion, definiert als Kreatinin bis 1.5-facher oberer Altersreferenzwert Adäquate hämatologische Funktion, definiert als: a. Gesamtneurophile ab 1 x 109/l; b. Thrombozytenzahl ab 100 x 109/l Keine relevante Hörstörung zumindest eines Ohres. Eine relevante Hörstörung ist definiert als Chang Grad 3 oder höher. Keine medizinischen Kontraindikationen für die vom Studienprotokoll vorgegebene Therapie. Bei fertilen Mädchen und Frauen (definiert als Zeitpunkt ab der Menarche): negativer Schwangerschaftstest.. Zustimmung, eine wirksame Kontrazeption während der gesamten Therapie zu gewährleiten#. Schriftliches Einverständnis der Patientin / des Patienten und/oder Eltern/gesetzlichen Vertreters. Einschlusskriterien für die Randomisierung 2 (R2): Einschluss in die SIOP HR-MB Studie und Teilnahme an der Randomisierung 1 Behandlung im Rahmen der R1 mit: i. Arm A (Normofraktionierte Radiotherapie) oder ii. Arm B (HART)
Ausschlusskriterien
Nachweis oder hohe Wahrscheinlichkeit einer Keimbahnmutation in den Genen TP53, APC, PTCH, SUFU, PALB2 oder BRCA2 bzw. jeder Nachweis oder jede hohe Wahrscheinlichkeit eines DNA-Reparatur-Defekts. Nachweis eines Medulloblastoms der Gruppe 4 mit MYCN-Amplifikation ohne Vorliegen weiterer oben definierte Hochrisiko-Merkmale. Vorliegen eines β-Catenin positiven, CTNNB1-mutierten, WNT-aktivierten Medulloblastoms unabhängig von anderen Hochrisiko-Merkmalen. Patienten mit einem postoperativen Resttumor >1,5cm2 ohne den Nachweis weiterer Hochrisiko-Merkmale. Chang Staging M4. Hirnstammtumoren oder embryonale Tumoren in anderen Hirnregionen. Vorangegangene Behandlung eines Hirntumors oder einer anderen malignen Erkrankung. Medizinische Kontraindiktion für Radiotherapie oder Chemotherapie. Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber einer der im Protokoll verwendeten Therapien oder Supportiva. Schwangerschaft oder Stillen. Zu erwartendes Unvermögen, die regulären vom Studienprotokoll vorgegebenen Nachsorgetermine wahrzunehmen (bei Diagnose bekannte psychologische, soziale, familiäre, geographische oder andere Ursachen). Zu erwartende Non-Compliance in Bezug auf die Behandlung, das Management oder das Monitoring im Rahmen des Studienprotokolls.